Kolumne zum Jahresende von Gemeindepräsident Rolf Claude

18. Dezember 2025

Bauen

Ein Luftschloss baut man am besten mit einem offenen Geist, einem grossen Herzen und 

ohne Angst vor dem Absturz. Es braucht keine Statik, keinen Bauplan, keine Baubewilligung, hat keine Einsprachen und nur den Diskurs mit sich selbst. Es braucht etwas Fantasie und die Architektur der Vorstellungskraft – ist schwerelos, grenzenlos und in perfekter Freiheit. Und kann damit nach Wunsch und Bedarf auch jederzeit und sofort umgebaut oder weitergebaut werden.

Das Gegenteil ist ein Bunker der Realität – fest, massiv, kompromisslos funktional. Während es beim Luftschloss um Hoffnung, Spinnereien, Weitblick und Inspiration geht, steht der Bunker für Konkretes, Unverrückbares, Machbares, dicke Wände gegen das Unbekannte, Neue und Risikohafte.

Das eine bewegt, das andere bewahrt. Dazwischen liegt der spannende Raum, in dem gute Ideen Realität werden – der Raum zur Entwicklung.
Wenn am Ende des Jahres die Baustellen ruhen, ist die Frage erlaubt: An was bauen wir eigentlich alles? Und wozu?
Interessanterweise bedeutet «bauen» mehr als Steine aufeinanderstapeln. Das althochdeutsche «buan» hiess: wohnen, leben, sich niederlassen, verbunden sein. Im weiteren Sinn: sich einrichten im Dasein. Es geht weiter bis zu Feld bestellen, also Ackerbau betreiben. Bauen ist demnach nicht nur Handwerkskunst – es ist existenziell. Wir bauen nicht nur Häuser. Wir bauen unsere Zeit. Unser Denken. Unsere Beziehungen. Unsere Zukunft.

Und dazu lohnt es sich, von beidem Gebrauch zu machen: der Leichtigkeit des Luftschlosses und der Standfestigkeit des Bunkers. Etwas Coolness im Umgang mit neuen Ausgangslagen und Veränderungen ist sicher zu empfehlen. Denn wie man so salopp sagt: Kein Plan überlebt den ersten Spatenstich.

Gehen wir ins neue Jahr mit etwas Leichtigkeit zum Träumen, dem Mut, die Realität mit Gedankenspielen herauszufordern, für die richtigen nächsten Schritte unseren Acker zu bebauen – unser Leben in Flawil zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins 2026.

Rolf Claude, Gemeindepräsident