Finden statt suchen & schlendern statt googeln

17. September 2026
Kommentar von Rolf Claude zum belebten Dorfzentrum.

Am Herbstmarkt ist Flawil voller Leben. Die Bahnhofstrasse wird zum Treffpunkt. Es wird geschaut, probiert und diskutiert. Man trifft Bekannte, Freunde – und gelegentlich Menschen, bei denen man erst nach dem dritten Satz wieder weiss, woher man sie kennt.
Doch eigentlich ist dieses Flawil gar keine Ein-Tages-Erscheinung.
Wer im Dorf einkauft, bekommt nämlich manches, was sich nicht in den Warenkorb eines Onlineshops legen lässt. So bin ich in der Buchhandlung auf ein hervorragendes Werk über Wesire und Konsuln aufmerksam gemacht worden. Das habe ich nicht gesucht – sondern gefunden. Und das Internet hätte mir das wohl nicht vorgeschlagen.
Ähnlich ist es mit der Beratung bei Kleidern, Brillen, Uhren oder Spielwaren. In der Metzgerei entdecke ich in der Auslage schon einmal etwas, das den Menüplan über den Haufen wirft. Und in der Drogerie bekommt man auf eine Frage meist eine Antwort statt 14'700 Suchresultate.
Dann sind da die lokalen Bauern mit ihren Produkten, der Käse- und der Fischstand. Und irgendwo zwischen Einkaufstasche und Ladentüre passiert das vielleicht Wichtigste: Ich treffe Menschen. Aus fünf Minuten werden zwanzig – zum Glück.
Der Herbstmarkt erinnert daran, wie schön ein lebendiges Dorfzentrum ist. Aber damit es lebendig bleibt, braucht es uns nicht nur am Herbstmarkt.
Vielleicht beginnt Dorfleben ganz unspektakulär: mit der Entscheidung, beim nächsten Einkauf zuerst einmal im Dorf zu schauen.
Man könnte dabei sogar jemanden treffen.